Chronik Seite 6

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In diesem Grunde befinden sich auf dem hessischen Anteile zwei brunnenartige Wasserlöcher von etwa zwei Meter Tiefe.Nach diesen, stets bis an den Rand mit Wasser gefüllten Vertiefungen, deren Grund aus ganz weichem Schlamm besteht und welche von den Bewohnern der Umgegend die Brautlöcher (plattdeutsch: Brutlöcker) genannt werden, hat diese Stelle des kleinen, vom Bräuklingsbache durch­flossenen Tales den Namen das Brautloch. Über die Ent­stehung dieser Wasserlöcher berichtet folgende Sage: Vor sehr langen Jahren heiratete ein junger Bauer aus dem am Westabhange des Drieberges gelegenen Dorfes Groß-Üplingen eine junge Bäuerin aus Deersheim. Don­nerstag nach Weihnachten fand die Hochzeit dieses reichen Paares statt. Ihrem Reichtum entsprechend ward auch die Hochzeit hergerichtet. Ein fetter Ochs, zwei Schweine, mehrere Kälber und Hammel sowie eine Anzahl von Hüh­nern waren dazu geschlachtet, ferner mehr als 100 Kuchen gebacken und außerdem eine Menge anderer Speisen zuge­richtet, um die Eßlust der zahlreichen Gäste zu genügen. Daneben sollten sich die Durstigen an dem Inhalte eines Fasses Branntwein und etlicher Tonnen Bieres in unbe­schränkter Weise erlaben. Nachdem die Trauung vollzogen war, überließen sich denn auch die Gäste in durchaus nicht schüchterner Weise den Tafelgenüssen umso mehr, als auch die lustigen Wei­sen der Osterwiecker Stadtpfeifer zu immer größerer Fröh­lichkeit anregten. Von Stunde zu Stunde wurde die Fest­stimmung lebhafter, bis dann das Gastmahl allmählich in wüstes Gelage ausartete. Die ganze Nacht hindurch wurde gespielt, getanzt, ge­gessen und getrunken. So gings fort bis zurr Sonntag. Als da die Kirchenglocken zum Gottesdienste riefen, trat der Vater der Braut zu den Gästen und forderte sie auf, nach herkömmlicher Weise mit dem jungen Ehepaare zur Kir­che zu gehen. Lachend erwiderte man ihm: „Zur Kirche gehen wir heu­te noch nicht, heute ist noch Hochzeit!“ – „Wir bleiben hier“, sagten etliche Üplinger, „und wenn wir deshalb zur Hölle fahren sollten. Es Ist ja auch bloß Brauch, am Sonn­tage nach der Hochzeit das neue Ehepaar zur Kirche zu be­gleiten und das besorgen wir in Üplingen.“Darauf holten, wie solches auch schon am Freitag- und Sonnabendmorgen geschehen war, etliche junge Burschen ein Pferd aus dem Stalle und spannten es vor eine Art Schlitten, eine sogenannte Schleppe (Schleife), auf wel­che ein Bund Stroh gelegt wurde. Hiermit zog nun ein joh­lender Trupp nebst einigen Musikanten zu den Häusern, in denen man solche Gäste vermutete, die, um etwas der Ru­he zu pflegen, sich heimlich aus dem Hochzeitshause entfernt hatten. Wurde man eines solchen habhaft, so setzte man ihn ohne Gnade auf die Schleife und führte ihn mit wildem Jubel nach dem Hochzeitshause zurück. Diejenigen dagegen, welche die Sucher zeitig bemerk­ten, suchten durch die Hintertüren der Häuser über Hecken und Zäune zu entfliehen, wurden aber bis zum Hochzeits­hause unter lautem Geschrei verfolgt. Weithin und bis In die Kirche hinein erschallte der tolle Lärm.

Solche ausgelassenen Streiche wurden den ganzen Sonntagvormittag

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